Verfasst von: brueckenbauer | Februar 5, 2011

Exklusive Sondergemeinschaften

In den 68er-Kommunen gab es eine entschiedene Antipathie dagegen, dass sich exklusive Pärchen bildeten.

Diese Antipathie kam z.T. spontan von “unten”, von denen, die sich “ausgegrenzt” fühlten (Jochen wäre gerne mit Gerda ins Bett gestiegen, konnte aber nicht, weil Gerda und Torsten vereinbart hatten, exklusiv miteinander ins Bett zu steigen). Zum Teil kam sie auch von “oben”: Die führenden Häupter der Kommune erkannten, dass Pärchenbildungen schlecht für den Zusammenhalt von allen mit allen waren.

Wenn man sich an diese Debatten erinnert, wird man die heutigen Debatten über exklusive Volksgemeinschaften (oder “ethnic communities”) besser verstehen.

Zunächst kommt die Antipathie gegen solche Gemeinschaften wiederum von den “Ausgegrenzten”. Dabei ist die Volksgemeinschaft ihrem Charakter nach viel offener als die sexuelle Zweierbeziehung. Man kann sich einer solchen Gemeinschaft durchaus anschließen, wenn man – und indem man – bereit ist, diese besondere Gemeinschaft zu erhalten und zu fördern.

Allerdings gibt es unter den Außenstehenden viele, denen gerade nicht daran gelegen ist, dass diese Sondergemeinschaft sich erhält und entwickelt. Umgekehrt sehen sie ihre Perspektive darin, dass diese Sondergemeinschaft sich auflöst, damit sie auf diese Weise “überall dazu gehören”. Wem es aber um die Auflösung der Sondergemeinschaft geht, der ist nicht geeignet, ihr anzugehören, und der Zutritt bleibt ihm zu Recht verwehrt. Das gilt für eine Volksgemeinschaft ebenso wie für einen Karnevalsverein.

Wie das Pärchen in der Kommune, so ist das Volk in der Weltgesellschaft nicht nur von “unten” angegriffen, sondern zugleich “von oben” unerwünscht. Den Verfechtern eines “Weltkommunedenkens” schwebt ein Sozialverband vor, in dem “alle gleich sind”, d.h. in dem möglichst kein A irgendeinem B näher steht als irgendeinem anderen C – in dem daher alles “reibungslos” abläuft und keine Konflikte entstehen, sondern völlige “Harmonie” herrscht. Es ist das Vorbild, was z.B. auch als “Arbeiterarmee” und als “Ameisenstaat” verbildlicht wurde – eine alte Utopie, aber keine schöne.

Um das Pärchen und um das Volk zu verteidigen, brauchen wir nicht auf große Wörter wie “Natur” oder “Schöpfungsordnung” zu rekurrieren. Lasst uns einfach sagen, dass diese Sondergemeinschaften gut sind, weil sie ihren Angehörigen Freude bereiten und Nutzen bringen.


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