Es gibt eine allgemeine Dialektik der Veränderung. Man muss das Gefühl haben – und zeichenhaft ausdrücken -, dass man so bleiben darf, wie man war; erst dann ist man frei, sich zu verändern.
Entsprechend gibt es eine Dialektik der Integration. Man muss das Gefühl haben – und zeichenhaft ausdrücken -, dass man der Besondere bleiben darf, der man war, um sich in eine größere Einheit integrieren zu können. Deshalb macht das Kopftuch für türkische Mädchen einen guten Sinn.
Das Gleiche würde natürlich für die Deutschen gelten. Sie müssten das Gefühl haben – und zeichenhaft ausdrücken können -, die Besonderen bleiben zu können, die sie gewesen sind. Fachleute wie Klaus Bade haben das mehr oder weniger deutlich erkannt und benennen die „Identitätsschwäche“ der Deutschen als Vorbehalt, der ihre Fähigkeit zur Integration von Zuwanderern (oder mit Zuwanderern) beeinträchtigt.
Hier scheitert das „System“ allerdings an seinen inneren Widersprüchen. Denn die Massenzuwanderung ist u.a. ja ein Projekt der (deutschstämmigen) Antideutschen, wie z.B. Joschka Fischer das klar formuliert hat („das Deutsche verwässern“). Und umgekehrt treibt schon der Instinkt fürs Eigeninteresse die Zuwanderer ins antideutsche Lager: Das offene Jedermanns-Land, von dem sie träumen, kann nur ein Land sein, das noch keiner Volksgruppe gehört – es darf also keine Volksgruppe geben, der dieses Land schon gehört haben könnte. Die Antideutschen und die Vertreter der Zuwanderer treffen sich daher in dem Bemühen, die Deutschen zu „dekonstruieren“, ihre Identität zu schwächen, sie als Sondergruppe zum Verschwinden zu bringen. Und sie unterminieren gerade dadurch die Bedingungen der Möglichkeit von Integration. Viel wirkungsvoller, als ein paar Rechtsoppositionelle das könnten.
Ist das nun ein glückliches Resultat oder ein trauriges?